Ein Erklärvideo in Legetechnik erstellst du in vier Schritten: Du schreibst einen kurzen Sprechtext, ordnest ihm in einem Storyboard Bilder zu, bastelst die Papierelemente und filmst sie von oben, während deine Hände sie ins Bild legen und verschieben. Danach vertonst und schneidest du das Material. Du brauchst dafür kaum mehr als Papier, Stifte, ein Smartphone und ein Stativ.
Das Problem kennst du vermutlich: Du sollst ein komplexes Thema erklären, für eine Schulung, den Unterricht oder ein Lernprodukt. Es gibt aber weder Budget für Animation noch Erfahrung mit Videoschnitt. Die meisten Versuche scheitern nicht an der Technik, sondern an der Planung. Der Text wird zu lang, die Bilder passen nicht zum Gesprochenen, und das Licht flackert von Szene zu Szene.
Diese Anleitung führt dich durch Planung, Bau der Legeelemente, Dreh und Schnitt. Wir von Die Erklärvideo Agentur produzieren seit über 15 Jahren Erklärvideos in vielen Stilen, auch für Schulung und E-Learning. Aus dieser Praxis stammen die Tipps hier. Am Ende erfährst du auch, wann sich ein professionell produziertes Video mehr lohnt als Papier und Schere.
Was die Legetechnik ausmacht und was du brauchst
Die Legetechnik ist ein Videostil, bei dem du Papierfiguren, Karten oder Grafiken von oben filmst, während Hände die Elemente ins Bild legen, verschieben und wieder entfernen. Ein Erklärvideo in Legetechnik wirkt dadurch nahbar und bleibt verständlich, weil immer nur ein Gedanke pro Bild zu sehen ist. Das passt zu Lehrvideos, Schulungen und Lernprodukten von Schülern.

Die Legetechnik funktioniert, weil sie wenig zeigt: Hände, Papier und einen klaren Gedanken pro Bild.
Analog oder digital: Was passt zu deinem Projekt
Analog heißt: echtes Papier, echte Hände, ein Smartphone über dem Tisch. Digital heißt: Du baust die Szenen am Rechner und lässt eine animierte Hand die Grafiken schieben. Für den Einstieg empfehlen wir die analoge Variante, weil du keine Software lernen musst und Fehler sofort siehst. Digital lohnt sich, wenn du Szenen exakt wiederholen oder häufig ändern willst.
| Kriterium | Analog | Digital |
|---|---|---|
| Kosten | Papier, Stifte, Smartphone | Software, teils kostenpflichtig |
| Einstiegsaufwand | gering | höher |
| Änderungen | Szene neu filmen | Grafik im Programm anpassen |
| Wirkung | handgemacht, persönlich | sauber, präzise |
Die Materialliste für die analoge Variante
Die folgende Ausstattung reicht für ein erstes Video. Das meiste davon liegt vermutlich schon bei dir.
| Material | Wozu es dient | Tipp |
|---|---|---|
| Heller Fotokarton | Untergrund | matt, ohne Glanz und Spiegelung |
| Dickes Papier, 250 bis 300 g/m² | Legeelemente | liegt flach und rutscht nicht weg |
| Dicke Filzstifte | Beschriftung, Zeichnungen | wenige Farben, hoher Kontrast |
| Schere oder Cutter | Zuschnitt | saubere Kanten wirken professioneller |
| Smartphone oder Tablet | Kamera | Tablet hat das größere Display |
| Stativ mit Überkopfarm | Aufnahme von oben | alternativ ein Tisch mit Halterung |
| Headset oder Mikrofon | Sprechtext | nicht direkt vor Mund und Nase |
Ruhige Räume mit Stoffen, etwa Vorhängen oder Teppichen, klingen besser als kahle Räume. Plane außerdem Tageslicht oder zwei gleichmäßige Lampen ein, damit dein Schatten nicht ins Bild fällt.
Schritt 1. Drehbuch und Storyboard schreiben
Schreibe zuerst den Sprechtext und ordne dann jedem Satz ein Bild zu. Wer zuerst bastelt, filmt später zu viel. Bei jedem Erklärvideo in Legetechnik entscheidet dieser Schritt über Länge und Verständlichkeit, weil kein Schnitttrick einen schwachen Plan rettet.

Was im Storyboard fehlt, fehlt später im Film.
Ziel und Kernbotschaft festlegen
Formuliere in einem Satz, was Zuschauer nach dem Video wissen oder können sollen. Ein Beispiel: „Nach dem Video erkennst du drei Merkmale einer Phishing-Mail.“ Alles, was dieser Satz nicht braucht, fliegt raus. Kläre dann, welches Vorwissen du voraussetzen darfst, damit du nicht bei null anfängst.
Prüfe deine Inhalte mit drei Fragen:
- Welche Information braucht das Publikum, um den Kern zu verstehen?
- Welches Vorwissen ist vorhanden?
- Was ist für einen ersten Überblick unwichtig?
Den Sprechtext kurz und mündlich schreiben
Schreibe, wie du sprichst: kurze Sätze, ein Gedanke pro Satz, keine Schachtelkonstruktionen. Lies jeden Absatz laut vor, denn was beim Sprechen holpert, holpert auch im Video. Als Faustwert kommen auf eine Minute etwa 120 bis 140 Wörter. Ein Einsteigervideo von 60 bis 90 Sekunden braucht also nur 130 bis 200 Wörter, und das ist genug.
Das Storyboard als Tabelle anlegen
Übertrage den Sprechtext abschnittsweise in eine Tabelle und ordne jeder Szene Bild und Handlung zu. So siehst du vor dem ersten Schnitt, welche Elemente du bauen musst.
| Szene | Sprechtext | Legeelemente | Handlung | Dauer |
|---|---|---|---|---|
| 1 | „Diese Mail sieht echt aus. Ist sie es?“ | Umschlag-Symbol, Fragezeichen | Umschlag legen, Fragezeichen daneben | 6 s |
| 2 | „Merkmal eins: ein falscher Absender.“ | Mail-Karte, Lupe | Lupe über die Adresse schieben | 8 s |
| 3 | „Merkmal zwei: Druck und Fristen.“ | Uhr, Ausrufezeichen | Uhr ins Bild, Ausrufezeichen draufsetzen | 7 s |
Halte pro Szene höchstens fünf bis sieben Elemente im Bild. Beschreibe die Handbewegung kurz, damit du beim Dreh nicht überlegen musst.
Schritt 2. Legeelemente gestalten und ordnen
Gestalte alle Elemente aus dem Storyboard in einem einheitlichen Stil und sortiere sie nach Szenen. Dieser Schritt kostet die meiste Zeit. Bei einem Erklärvideo in Legetechnik prägen saubere, kontrastreiche Elemente den Gesamteindruck stärker als jede Kameraeinstellung.

Ein einheitlicher Stil macht aus losen Zetteln ein Video, das wie aus einem Guss wirkt.
Zeichnen, drucken oder frei lizenzierte Bilder nutzen
Du hast drei Wege. Du kannst Symbole selbst zeichnen, was authentisch wirkt, wenn du auf dickem Papier mit Filzstift arbeitest. Du kannst Grafiken ausdrucken und ausschneiden, was schneller geht und sauberer aussieht. Oder du nutzt Fotos und Icons aus Bilddatenbanken, die Material unter der Lizenz CC0 anbieten, also zur freien Verwendung und Bearbeitung. Prüfe die Lizenz bei jedem Bild, bevor du es druckst und veröffentlichst. Bei erkennbaren Personen brauchst du eine Einwilligung.
Elemente bauen, die sich gut bewegen lassen
Schneide Elemente so groß zu, dass du sie auch auf einem Smartphone-Display noch erkennst. Beschrifte sie mit kurzen Stichworten in dicker Schrift, ganze Sätze lesen im Video ohnehin nur wenige. Beschränke dich auf drei oder vier Farben. Die Kanten sollten glatt sein, damit du ein Element mit einem Finger greifen und wegziehen kannst, ohne dass es hängen bleibt.
Reihenfolge festlegen und prüfen
Lege die Elemente in Stapeln nach Szenen ab und nummeriere sie auf der Rückseite. Gehe dann das Storyboard einmal trocken durch, ohne Kamera. Diese kurze Probe zeigt dir:
- Fehlt ein Element?
- Ist eine Szene zu voll?
- Verdeckt eine Hand wichtige Teile?
- Ist die Handbewegung flüssig und logisch?
Schritt 3. Aufbau einrichten und filmen
Fixiere die Kamera senkrecht über dem Untergrund, sorge für gleichmäßiges Licht und nimm den Sprechtext getrennt vom Bild auf. So bleibt dein Erklärvideo in Legetechnik ruhig und sauber, und du kannst Szenen einzeln wiederholen, ohne den gesamten Dreh neu zu starten.
Stell die Kamera einmal richtig ein und fasse sie danach nicht mehr an.
Kamera und Licht einrichten
Befestige das Smartphone am Stativ und richte es genau senkrecht über dem Karton aus. Der Bildausschnitt sollte etwas größer sein als die Fläche, die du brauchst, denn am Rand verlierst du beim Schnitt Platz. Sperre dann Fokus und Belichtung in der Kamera-App, sonst springt die Helligkeit, sobald deine Hand ins Bild kommt.
Für die Einrichtung hilft diese Checkliste:
- Untergrund glatt auslegen, ohne Falten
- Tageslicht von der Seite oder zwei Lampen links und rechts
- keine Schatten von Kamera, Stativ oder Oberkörper im Bild
- Smartphone auf Flugmodus, damit kein Anruf die Aufnahme stört
- Probeaufnahme von zehn Sekunden ansehen
Ton aufnehmen und passend filmen
Nimm den Sprechtext zuerst als eigene Audiodatei auf, etwa mit Audacity am Rechner oder der Sprachmemo-App am Handy. Spiele ihn beim Dreh leise ab und lege die Elemente passend zum Text. Das verhindert, dass Sprache und Handlung auseinanderlaufen. Halte das Mikrofon nicht zu nah an Mund und Nase, sonst hörst du jedes P überdeutlich.
Bewegungen und Takes
Bewege die Hände langsam und gezielt, und ziehe sie nach dem Ablegen aus dem Bild. Filme jede Szene separat und lass vor und nach der Handlung eine Sekunde Pause, das erleichtert den Schnitt. Drehe lieber zwei Takes pro Szene, als später mit einem verwackelten zu leben.
Schritt 4. Schneiden, vertonen und veröffentlichen
Importiere die Clips in ein Schnittprogramm, lege den Sprechtext darunter, kürze Pausen und exportiere das Video. Für ein Erklärvideo in Legetechnik reicht ein einfaches Programm völlig aus, weil du nur schneiden, Ton anlegen und eventuell Untertitel einblenden musst.
Im Schnitt entsteht das Tempo: Kürze lieber zu viel Leerlauf als zu wenig.
Die passende Software wählen
Wer einen Mac, ein iPhone oder ein iPad nutzt, kommt mit iMovie schnell ans Ziel. Unter Windows bietet sich DaVinci Resolve an, das es in einer kostenlosen Version gibt. Der Funktionsumfang ist größer als nötig, die Oberfläche braucht deshalb etwas Einarbeitung. Für die Tonbearbeitung nutzt du Audacity, um Rauschen zu reduzieren und Lautstärken anzugleichen.
Schneiden und vertonen
Lege zuerst die Tonspur auf die Zeitleiste und platziere die Clips passend zu den Sprechpassagen. Schneide Anfang und Ende jeder Szene so, dass die Hand nicht sichtbar rein- oder rausfährt. Trenne mit der Teilen-Funktion, wo Pausen entstanden sind, und kürze sie. Wenn du Hintergrundmusik nutzt, wähle lizenzfreie Titel und halte sie deutlich leiser als die Stimme.
Prüfen und veröffentlichen
Schau das Video einmal komplett ohne Ton an. Wenn du die Aussage auch dann verstehst, passt das Bild. Dann prüfe den Ton über Kopfhörer und über Handylautsprecher. Lade das Video bei Schulungen im geschützten Bereich hoch, etwa nicht gelistet oder in der Lernplattform. Wenn Schülerstimmen zu hören sind, kläre vorher die datenschutzrechtliche Einwilligung.
Mit Papier, Handy und Plan zum fertigen Video
Ein gutes Erklärvideo in Legetechnik entsteht aus klarer Planung: ein Satz als Ziel, ein kurzer Sprechtext, ein Storyboard, saubere Elemente, ruhige Kamera und ein schlanker Schnitt. Die Technik ist einfach, die Disziplin im ersten Schritt macht den Unterschied. Beginne mit 60 Sekunden und einem Thema, das du wirklich beherrschst.
Manche Themen sind für Papier und Schere zu komplex, etwa Produkterklärungen oder Pflichtschulungen mit Vorgaben zu Branding und Fachinhalt. Dann lohnt sich ein Profi-Team. Gerne entwickeln wir dir dafür ein kostenloses Videokonzept, das zeigt, wie dein Thema als Video funktionieren kann.

